Was tun wenn's brennt? Sicherheitsfachmann Andreas Hohl im Gespräch.

Wir wissen es alle: Ob beim Grillieren an Feuerstellen, beim Besuch eines Feuerwerks an Sommerfesten oder z. B an Nationalfeiertagen mit Knallkörpern – wo Feuer, da Gefahr!Doch wie soll man dieser Gefahr am besten begegnen? Wie verhindert man Schlimmstes? Wir haben beim Spezialisten nachgefragt: Im Interview mit Andreas Hohl, Sicherheitsfachmann bei Kimberly-Clark GmbH Schweiz.

1. Tipps fürs Grillieren und Feuerstellen.

Wo darf man in Österreich und der Schweiz öffentlich grillieren?
Generell ist es verboten, öffentlich zu grillieren. Es darf nur an ausgewiesenen Grillierstellen gefeuert werden.
Wie vereint man Sicherheit und gemütlichen Grill-Plausch? Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps?
1. Feuerstelle immer überwachen
2. Umgebung im Auge behalten
3. Mind. 100m entfernt von einem Wald
Sollte doch was schiefgehen, was raten Sie als erstes zu tun?
1. Sofort Feuerwehr über 112 oder 118 alarmieren.
2. Beim Eintreffen der Feuerwehr sollte diese direkt eingewiesen werden (manchmal ist das Feuer nicht sofort sichtbar)
3. Anwesende (Kinder zuerst) vom Brandherd entfernen
4. Kein Risiko eingehen bzw. nicht versuchen, das Feuer selber unter Kontrolle zu bringen

2. Feuerwerk und Knallkörper.

Feuerwerke und Knaller sind besonders bei Kindern sehr beliebt. Darf man Kinder mit Knallkörpern hantieren lassen?
Nein, erst ab 18 Jahren.
Was sollte man wissen, wenn man ein Feuerwerk besucht?
1. Fluchtwege kennen
2. Keine Absperrungen durchgehen
3. Anordnungen befolgen
Was macht man, wenn dann doch etwas passieren sollte?
1. Ruhe bewahren
2. Keine Panik aufkommen lassen. Das finde ich persönlich aus Erfahrung das wichtigste.
3. Erste Hilfe leisten.

• Brandwunde: Mit sauberem Wasser kühlen, Kleidungsstücke nicht von der Brandwunde entfernen, 118 oder 112 alarmieren.
•Feuer: Aus dem Gefahrenbereich entfernen und Feuerwehr 112, 118 alarmieren.

3. Sicherheit bei HAKLE.

Beim Produzieren von Hakle Toilettenpapier ist wegen starker Staubentwicklung enorme Vorsicht geboten (Staubexplosion oder Brand).
Kimberly-Clark in Niederbipp stellt deshalb eine eigene Betriebsfeuerwehr, und setzt "Safety First" als oberstes Unternehmensziel.

Sicherheit ist ein zentrales Thema bei Kimberly-Clark in Niederbipp.
Was ist hierfür Ihre Funktion?

Ich bin Vizekommandant, mit 25 Jahren Erfahrung im Feuerwehrdienst.
Wie gross ist die betriebseigene Feuerwehr bei Kimberly-Clark in Niederbipp?
Wir haben 35 Personen im Team.
Warum genau ist die Produktion von Tissue Papier allgemein eine Feuergefahr?
Ganz klar: schuld ist die starke Staubentwicklung. Das Trocknen von Papier braucht sehr viel Hitze, dabei entstehen Temperaturen von über 300 Grad. Dadurch kann sich der Staub oder das Papier innert Sekunden entzünden, was zu einer Staubexplosion führen kann.
Was sind die drei ersten Schritte im Falle eines Feueralarms bei Kimberly-Clark?

Für die Betriebsfeuerwehr gilt:
1. Sofort ins Feuerwehrmagazin und sich mit der Brandschutzbekleidung ausrüsten.
2. Offizier begibt sich an den Brandherd und leitet den Einsatz der Betriebsfeuerwehr.
3. Genügend Mittel (Personal) aufbieten.

Und das tun die Mitarbeiter:
1. Sie versuchen mit Feuerlöschern den Brand zu bekämpfen.
2. Mitarbeiter werden alle zwei Jahre auf Kleinlöschgeräten ausgebildet (Branddecke oder Feuerlöscher)
3. Bei Ängsten oder Unsicherheiten raten wir aber, das Gebäude so schnell wie möglich über Notausgänge verlassen.
.
Wie oft kommt die Betriebsfeuerwehr zum Einsatz?
2015 hatten wir 54 Einsätze, und 4 davon mit Feuer
.
Vielen Dank, Andreas Hohl, für die Auskunft.

Wir wünschen allen einen sicheren und schönen Sommer!

Diesen Artikel teilen:

AUF FACEBOOK
nochoben